Accessibility, Barrierefreiheit und behindertengerechter Zugang

Barrierefreie Websites sind teuer und hässlich und dienen nur einer Minderheit – so die gängige Meinung. Doch dies entspricht nicht der Realität. Die WHO geht davon aus, dass 15 Prozent der Bevölkerung eine Behinderung hat. In der Schweiz ist davon die Rede, dass jede siebte Person eine Behinderung hat. Hinzu kommt, dass es vermehrt ältere Nutzerinnen und Nutzer – so genannte Silver Surfer – gibt, die altersbedingte Einschränkungen haben und somit ebenfalls von einem barrierefreien Webangebot profitieren.

Was bedeutet Accessibility?

Web-Accessibility bedeutet, dass Websites für alle Menschen nutzbar sind. Und zwar unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen oder Behinderungen. Wörtlich übersetzt heisst Accessibility "Zugänglichkeit". Im deutschsprachigen Raum verwenden wir den Begriff Barrierefreiheit als Synonym für Accessibility.

Behinderungen im Web

So vielfältig wie die Menschen, so vielfältig sind auch die Behinderungen im Web. Jede Site und jedes Angebot ist individuell und die Bedürfnisse der Nutzer mit Behinderungen sind sehr unterschiedlich.

Barrierefrei für Gehörlose und Hörbehinderte

Für viele Gehörlose ist unsere Schrift- und Lautsprache eine Fremdsprache. Die Muttersprache von Gehörlosen ist die Gebärdensprache. Aus diesem Grund sind geschriebene Informationen für gehörlose Menschen nicht gleichwertig wie Inhalte in Gebärdensprache. Um ihnen den gleichen Zugang zu ermöglichen, braucht es Gebärdensprachvideos.

Des Weiteren gilt stets das Zwei-Sinne-Prinzip: Für gesprochene Inhalte, wie zum Beispiel in Videos oder Audio-Podcasts, braucht es Untertitel oder eine Transkription. Auf diese Weise sind alle Informationen auch für Menschen mit Hörbehinderung verfügbar.

Anleitung für das Erstellen von Untertitel-Dateien

Barrierefrei für Blinde und Sehbehinderte

Menschen mit Sehbehinderungen setzen spezielle Software ein, die den Bildschirminhalt vorliest oder eine starke Vergrösserung und individuelle Farbanpassungen ermöglicht. Das Bildschirm-Vorleseprogramm heisst Screenreader

Damit Blinde und Sehbehinderte die Inhalte einer Website ebenso schnell erfassen können wie Sehende, muss die Site korrekt strukturiert sein. Dies bedeutet beispielsweise: Überschriften sind korrekt als Headings ausgezeichnet, Bilder haben Alternativtexte und alle Elemente sind via Tastatur erreich- und bedienbar.

Auch bei den Bedürfnissen von Menschen mit Sehbehinderung gilt das Zwei-Sinne-Prinzip. So sollten Videos mit so genannten Audiodeskriptionen ergänzt sein. Bei einer Audio-Description erhält der User eine gesprochene Information darüber, was im Bild zu sehen ist. Ist es nicht möglich, eine Audiodeskription zu erstellen, so sollten Sie eine Textalternative zum Video bereitstellen.

Auf visuelle Barrieren stossen die User zudem, wenn die Kontraste zwischen Text und Hintergrund nicht ausreichend sind oder wenn Informationen alleine über Farben vermittelt werden.

Tools für die Farbwahl

Barrierefrei für Menschen mit motorischen Behinderungen

Menschen mit motorischer Behinderung nutzen alternative Eingabegeräte oder bedienen die Website mithilfe der Tastatur. Aus diesem Grund sollten alle Funktionen und Elemente einer Website mit der Tastatur erreichbar sein. Achten Sie bei der Gestaltung darauf, dass Elemente wie Buttons oder Ausklapp-Menüs nicht nur mit "Zielübungen" erreichbar sind.

Barrierefrei für Menschen mit kognitiven Behinderungen

Menschen mit kognitiver Behinderung haben Schwierigkeiten, aufmerksam zu bleiben und sich zu konzentrieren. Lernen, Denken, sich Erinnern, Lesen und Schreiben – all das bereitet Menschen mit kognitiver Behinderung Mühe. Dadurch fällt es ihnen auch schwerer, Websites zu verstehen und zu nutzen.

Damit Websites für Menschen mit kognitiven Behinderungen besser nutzbar sind, müssen die Inhalte gut verständlich sein. Dies gelingt zum Beispiel mit Texten in Leichter Sprache. Auch in der Gestaltung gibt es verschiedene Punkte zu berücksichtigen: Wählen Sie eine gut lesbare Schrift. Halten Sie sich an bekannte Standards und Konventionen. Illustrieren Sie das Geschriebene mit aussagekräftigen Fotos, Zeichnungen oder Piktogrammen.

Blogbeitrag zum Thema "Leichte Sprache"

Barrierefrei für Seniorinnen und Senioren

Bei älteren Menschen kann eine Vielzahl von Bedürfnissen und möglichen Beeinträchtigen zusammentreffen. So haben Seniorinnen und Senioren altersbedingt zum Beispiel eine Sehbeeinträchtigung und sind daher auf gut lesbare Inhalte angewiesen. Oder sie können aufgrund eines Tremors die Maus nicht mehr gut bedienen. Eine grosse Hürden stellen auch überladene Websites dar, auf denen sich ältere User nicht so leicht zurechtfinden.

Seniorinnen und Senioren sind oft eine kaufkräftige Kundschaft. Alleine aus dieser Sicht lohnt es sich, Websites für alle zugänglich zu gestalten.

Barrierefrei für alle

Was für Menschen mit Behinderungen im Speziellen gilt, gilt auch für Menschen ohne Behinderungen. Wir alle wollen Webangebote, die gut bedienbar und verständlich sind. Denn das ist nichts anderes als Benutzerfreundlichkeit. Accessibility und Usability haben viele gemeinsame Schnittstellen. Von einer barrierefreien Website profitieren alle.

Gesetzliche Grundlagen

Behörden, Verwaltungen, aber auch private Unternehmen sind dazu verpflichtet, einen behindertengerechten und barrierefreien Zugang zu ihren Angeboten zu ermöglichen. 

Bundesverfassung

Art. 8 Rechtsgleichheit der Bundesverfassung besagt: "Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung."

Behindertengleichstellungsgesetz

In der Schweiz ist zudem seit 2004 das Behindertengleichstellungsgesetz BehiG in Kraft. Das Gesetz hat zum Zweck, Benachteiligungen zu verhindern, zu verringern oder zu beseitigen, denen Menschen mit Behinderungen ausgesetzt sind. Das BehiG setzt Rahmenbedingungen, die es Menschen mit Behinderungen erleichtern, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und soziale Kontakte zu pflegen, sich aus- und fortzubilden und eine Erwerbstätigkeit auszuüben.

UNO-Behindertenrechtskonvention

Im April 2014 hat die Schweiz die UNO-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Die Konvention ist im Mai 2014 für die Schweiz in Kraft getreten.

Zum Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Richtlinien und Standards

Wann ist ein Angebot barrierefrei? Für barrierefreie Websites und Dokumente gibt es verschiedene Standards und Richtlinien.

Web Content Accessibility Guidelines WCAG 2.0

Wann gilt ein Webangebot als barrierefrei? Hierfür hat das World Wide Web Consortium W3C die Web Content Accessibility Guidelines WCAG 2.0 erstellt. Die WCAG 2.0 sind mehrstufig aufgebaut. Auf der höchsten Ebene stehen die Prinzipien Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich und Robust unterteilt. Darunter stehen die zwölf Richtlinien, welche die wichtigsten Ziele für Entwickler und Autoren festlegen. Für jede Richtlinie gibt es testbare Erfolgskriterien, um zu beurteilen, ob die Ziele erfüllt werden. Für die WCAG 2.0 gibt es zudem drei verschiedene Konformitätsstufen: Die Stufe A mit den niedrigsten, die Stufe AA sowie die Stufe AAA mit den höchsten Anforderungen. Sämtliche Erfolgskriterien sind einer Konformitätsstufe zugeordnet.

P028 – Richtlinien des Bundes für barrierefreie Webangebote

Mit dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes BehiG hat der Bund Weisungen erlassen, die für Websites der zentralen Bundesverwaltung gelten. Diese Weisungen sind unter der Bezeichnung "P028 - Richtlinien des Bundes für die Gestaltung von barrierefreien Internetangeboten" bekannt.

Grundlage der P028 sind die WCAG 2.0; alle Websites des Bundes müssen die Anforderungen gemäss WCAG 2.0 auf der Komformitätsstufe AA erfüllen.

eCH-Standard 0059 – Standard für Kantone und Gemeinden

Der Verein eCH hat mit dem eCH-0059 Accessibility-Standard für Kantone und Gemeinden Umsetzungs-Richtlinien erstellt. Mithilfe von diesem eCH-Standard soll es den Behörden möglich sein, ihre Informationen und Dienstleistungen für alle Menschen zugänglich zu erstellen und gleichzeitig ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen.

Wie die P028-Richtlinien des Bundes richtet sich auch der eCH-Standard 0059 nach den WCAG 2.0.

ISO-Standard PDF/UA für barrierefreie PDFs

PDF/UA ist eine Variante des PDF-Standards für barrierefreie PDF-Dokumente. UA steht für "Universal Accessibility". Im Sommer 2012 veröffentlichte die ISO diesen Standard unter dem offiziellen Namen ISO 14289-1 veröffentlicht.

Der Standard PDF/UA wendet die in den WCAG 2.0 definierten Kriterien auf PDF an und richtet sich vor allem an Entwickler von Programmen.

Grundvoraussetzung für barrierefreie PDFs ist, dass die Inhalte mit Tags versehen sind. Nur bei einem "Tagged PDF" können technologische Hilfsmittel wie der Screenreader den Inhalt richtig interpretieren – also beispielsweise Überschriften oder Listen als solche vorlesen.

Schulung für das Erstellen von barrierefreien PDF-Dokumenten

Technologische Hilfsmittel

Einen wesentlichen Beitrag zu einer behindertengerechten Technologienutzung leisten technologische Hilfsmittel.

Screenreader

Blinde Benutzer setzen ein Bildschirmvorleseprogramm beziehungsweise einen Screenreader ein. Wie es der Name bereits verrät, liest dieses Programm den Bildschirminhalt vor. Der bekannteste Screenreader ist der kostenpflichtige Reader "JAWS" von Freedom Scientific. In den letzten Jahren hat sich jedoch auch der kostenlose Reader NVDA als gleichwertige Alternative bewährt. JAWS und NVDA funktionieren nur mit dem Betriebssystem Windows. Für Apple-Benutzer gibt es den bereits im System integrierten Screenreader "VoiceOver". Obwohl es Alternativen gibt zum eher teuren (aber zumindest von der Invalidenversicherung finanzierten) JAWS, können die meisten blinden Anwender nicht auf JAWS verzichten, weil dieser gerade im Zusammenspielt mit den gebräuchlichsten Programmen wie Microsoft Office wesentlich besser funktioniert als NVDA oder VoiceOver.

Braillezeile

Viele blinde Anwender setzen als zusätzliches Ausgabegerät die Braillezeile ein. Die Braillezeile gibt den Inhalt in Brailleschrift aus. Die Braillezeile erlaubt es, den Inhalt buchstabenweise zu ertasten, was beispielsweise beim Korrigieren eines Textes wichtig ist.

Bildschirmvergrösserung

Mithilfe eines Programms für die Bildschirmvergrösserung passen Menschen mit Sehbehinderung den Inhalt so an, dass diese für sie besser sicht- und lesbar sind. Auch sind damit individuelle Farbeinstellungen möglich.

Alternative Eingabegeräte und Sprachsoftware

Menschen mit motorischer Behinderung können die gewöhnliche Computermaus nicht mit der Hand bedienen. Deswegen setzen sie alternative Eingabegeräte ein, wie zum Beispiel eine Mundmaus. Auch Augen- und Sprachsteuerung ermöglichen es Menschen mit körperlicher Behinderung, den Computer selbständig zu bedienen.

Mehr zum Thema barrierefreie Webgestaltung

Tests, Schulungen und Workshops

Mithilfe unseres Accessibility-Testings erfahren Sie, wie barrierefrei Ihre Website ist und wie Sie sie verbessern können. In Workshops und Schulungen geben wir unser Wissen zum Thema Barrierefreiheit weiter.

Barrierefreiheit umsetzen

Schritt für Schritt barrierefrei

Wir erstellen barrierefreie Websites und nutzen dafür das CMS TYPO3. Erfahren Sie in unserer Übersicht, wie wir die Barrierefreiheit bereits zu Beginn eines Projektes berücksichtigen. Mit uns sparen Sie Zeit und Kosten.

Barrierefreiheit ist ein Prozess

«Die Zusammenarbeit war geprägt von Kundenorientierung, Zielgerichtetheit und Fachkompetenz. Es freut mich zudem, dass sich Frau Bosshart aktiv über die Weiterentwicklung unserer Homepage interessiert.»

Erwin Ganz, HPV Rorschach
Geschäftsführer

Reden wir über Ihre barrierefreie Website

Suchen Sie eine Agentur, die barrierefreie Websites in der Schweiz erstellt? Oder brauchen Sie eine Zweitmeinung zu einem aktuellen Projekt? Wir sind Accessibility-Spezialisten und unterstützen Sie gerne dabei, mit einem barrierefreien Auftritt mehr Menschen zu erreichen.

Fragen Sie uns an für Best-Practice-Beispiele oder eine Projektofferte:
kontakt@remove-this.bosshartong.ch / +41 71 511 21 90

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